Evangelische in Wien

Die ersten Evangelischen in Wien


Die Bewegung der Reformation erfasste zu Beginn des 16. Jahrhunderts auch Wien mit Macht, und dies hatte religiöse, aber auch, damit kaum trennbar verknüpft, politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Gründe. Große Teile der Bauernschaft, des Bürgertums, aber auch des Adels und der Geistlichkeit schlossen sich an, und selbst im Stephansdom wurde evangelisch gepredigt und Zwingli war Student der Theologie an der Wiener Universität.

Gegen die aufblühende Bewegung der Reformation wandten sich die Habsburger, aus persönlicher Überzeugung, aber auch aus innen- und außenpolitischen Gründen. Mit Ausnahme Maximilians II. waren seit Ferdinand I. alle Herrscher protestantenfeindlich eingestellt und nur die Bedrohung durch die Türken erzwang gelegentlich eine vorübergehende Toleranz.

Bald wurden evangelische Predigten verboten, aber die Wiener Evangelischen kamen immer wieder zu den Predigern der Adelsfamilie Jörger, an die heute noch die Jörgerstraße erinnert, nach Hernals. Diese hatten ihr Schloss samt Kapelle an jener Stelle, wo heute die römisch-katholische Kalvarienbergkirche steht.

Die Gegenreformation fand ihr Ende mit dem Toleranzpatent Josephs II. Den Evangelischen war es nun unter der Voraussetzung, dass sich mindestens 100 Familien (oder 500 evangelische Christen) fanden, gestattet, Kirchengemeinden zu bilden, Bethäuser zu errichten, die sich äußerlich aber streng von katholischen Kirchen zu unterscheiden hatten, sowie Pastoren und Schulmeister zu berufen. Es war ihnen auch nicht mehr verwehrt, Güter und Häuser zu erwerben, Meister zu werden, zu studieren und den Doktortitel zu erlangen. Auch das Bürgerrecht durfte ihnen nicht mehr abgesprochen werden. Bis zur völligen Gleichstellung mit den Katholiken durch das Protestantenpatent 1861 war es aber noch ein weiter und steiniger Weg.



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